4 Historische Einordnung

In diesem Kapitel soll der Frage nachgegangen werden, ob der Zugang zu unbarem Zentralbankgeld in der Vergangenheit existierte oder ob die Debatte, welche seit ein paar Jahren intensiv geführt wird eine neuartige Erscheinung ist.

Bemerkenswerterweise ist es in der Literatur belegt, dass der Zugang zu unbarem Zentralbankgeld in der Vergangenheit existierte. So fand Bindseil (2019) heraus, dass es in der Vergangenheit in vielen Währungsräumen üblich war, dass Zentralbanken Konten auch für das breite Publikum anboten. Zum Beispiel die Deutsche Bundesbank die noch in den 1930er Jahren einen substanziellen Anteil von Nicht-Bankkunden hatte. Erst ab 1960 waren dann Einlagen von Nicht-Banken nur noch ein marginaler Anteil des Zentralbankbuchgeldes. Auch die französische Zentralbank erlaubte den Zugang von Nicht-Banken bis mindestens in die 1930er Jahre, weswegen sie auch ein Filialnetz in Frankreich betrieb. Unklar bleiben die Ursachen, wieso diese Tätigkeiten eingestellt wurden.

Historisch gesehen wäre die Einführung von RFA also nicht etwas Neues, sondern eine Rückkehr von einem Angebot, welches zumindest bei gewissen Zentralbanken in Europa bereits einmal existierte.

Des Weiteren gab es die Forderung nach unbarem Zentralbankgeld für das breite Publikum in der jüngeren Vergangenheit auch schon aus der Forschung. So fordert Tobin Mitte der 1980er Jahre, dass es ein Angebot an schuldnerrisikofreien Konten geben solle, entweder direkt von der Federal Reserve oder indirekt von den Banken. Er begründete dies mit der Sicherheit solcher Konten, unter anderem für Personen die hohe Liquidität für Beträge über der von der Einlageversicherung gedeckten Höhe benötigen (Tobin (1985 & 1987) in Niepelt, 2018).

Zudem ist auch die Forderung nach unbarem Zentralbankgeld für das breite Publikum älter als die jüngste Debatte zum digitalen Zentralbankgeld.

References

Bindseil, Ulrich. 2019. “Central Bank Digital Currency: Financial System Implications and Control.” International Journal of Political Economy 48 (4): 303–35. https://doi.org/10.1080/08911916.2019.1693160.